Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, kehrt das Kribbeln beim Dribbeln zurück. Am Sonntag erfolgt auch für die Mitteldeutsche Basketball Academy der Startschuss in die neue Saison. Erneut ist die MBA in allen drei Nachwuchs-Bundesligen vertreten.
Ein neuer Modus sorgt in der U16-Jugend-Basketball-Bundesliga und U19-Nachwuchs-Basketball-Bundesliga für Spannung und veränderte Perspektiven. Auch in der Weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (U18) gab es Anpassungen. Vor dem Auftakt sprechen die MBA-Trainer Darren Stackhouse (NBBL), Stijn van Duijn (WNBL) und Alvaro Zuniga (JBBL) über Chancen und Herausforderungen.
Die Sommerpause kommt Basketball-Fans quälend lange vor. Für euch als Trainer endet die Arbeit aber auch im Sommer nicht. Wie habt ihr die vergangenen Monate verbracht?
Darren Stackhouse: Eine der Hauptaufgaben war, den Kader für die neue NBBL-Saison zusammenzustellen. Das ist ein längerer Prozess, der in mehreren Etappen verläuft. Wir haben mittlerweile ein großes Reservoir an talentierten Spielern in der Region. Ich war im Sommer aber auch in den USA, um Familie und Freunde zu besuchen. Dabei hatte ich auch Gelegenheit, ein Spiel in der WNBA zu sehen.
Stijn van Duijn: Ich habe in zwei Basketballcamps gearbeitet, hatte aber auch Zeit für Urlaub, der mich nach Madeira, Lissabon und Mallorca geführt hat. Zudem arbeite ich nun als Assistenztrainer der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft und begleitete in diesem Rahmen das Team auch auf einem Trainingslager. In den vergangenen Wochen stand die Arbeit mit den halfit Lions und der MBA im Fokus.
Alvaro Zuniga: Für mich war es ein kurzer Sommer. Ich war zwei Wochen in Spanien, danach stand meine Nachwuchstrainerausbildung auf dem Programm. Ich habe die Prüfungen für die B-Lizenz bestanden und anschließend während der EM bei der deutschen U20-Nationalmannschaft hospitiert. Das war eine schöne Erfahrung, in dieser Zeit konnte ich viel lernen und neue Ideen mitnehmen. Seit Mitte August bin ich mit der Vorbereitung auf die JBBL-Saison beschäftigt. Wir haben gegen sehr starke Gegner getestet und haben uns in vielen Aspekten deutlich weiterentwickelt.
Alvaro, du blickst auf deine erste Saison als JBBL-Coach zurück. Welche Erkenntnisse waren für dich am wichtigsten?
Zuniga: Mir fehlte die Erfahrung. Ich musste lernen, mich noch besser zu strukturieren und vorzubereiten. Vor einem Jahr war die Situation so, dass ich mit der Mannschaft während der laufenden Saison eine Kernidee entwickeln musste. Nun ist diese Idee schon da, und es gibt viel mehr Raum, sie zu perfektionieren. Wir spielen nun strukturierter, auch die Defensivarbeit ist deutlich besser geworden.
In der NBBL und JBBL wird es keine sportlichen Absteiger mehr geben. Die Entwicklung steht vor dem Ergebnis. Begrüßt ihr diese Modusänderung und welche Chancen und Risiken beherbergt diese aus eurer Sicht?
Stackhouse: Der neue Modus nimmt in erster Linie den Druck heraus, weil man sich keine Sorgen mehr um den Klassenerhalt machen muss. Das bietet uns Trainern auch die Chance, jüngere Jahrgänge schneller an das NBBL-Niveau heranzuführen. Es kann natürlich passieren, dass das Niveau in der NBBL insgesamt etwas sinkt und die Kompetitivität leidet. In unserem Fall sehe ich aber überhaupt keine Probleme. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die A-Division erreichen, um uns mit den besten Teams messen zu können.
Zuniga: Ich finde diese Entwicklung super. Wie Darren schon sagt, nimmt das viel Druck. In den Einteilungsrunden geht es schon darum, auch effektiven Basketball zu zeigen, weil wir die A-Division anstreben. Doch danach haben wir viele Gelegenheiten, jüngere Spieler zu fördern oder die älteren bereits gezielt auf die NBBL vorzubereiten.
Stijn, in der WNBL steigen am Ende der Saison drei Teams ab. Was macht dich optimistisch, dass dein Team mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird?
van Duijn: Wir haben bereits in der vergangenen Saison nur knapp die Playoffs verpasst und haben viele Spielerinnen, die sich noch einmal weiterentwickelt haben. Magdalena Zimmermann zeigt bereits exzellente Leistungen in der Zweiten Damen-Basketball-Bundesliga. In Lucia Berger und Jona Weber haben wir zwei große Spielerinnen dazugewonnen, die uns unter dem Korb mehr Möglichkeiten geben. Auch die Entwicklung von Inga Ruppe, einer unserer jüngsten Spielerinnen, beeindruckt mich. Leider konnten wir in der Vorbereitung wenig testen, zweimal mussten gegnerische Teams kurzfristig absagen. Wir wissen also nicht wirklich, wo wir im Vergleich mit den anderen Teams in unserer Gruppe stehen.
Darren, bei deinem Team fällt die Qualität und Kadertiefe auf den Guardpositionen ins Auge. Wird sich das auch auf euren Spielstil niederschlagen?
Stackhouse: Ich freue mich sehr über das Potenzial des Teams. Wir haben auf den Guardpositionen sehr viel Qualität und unheimlich viele Möglichkeiten. Wir wollen deshalb mit einem hohen Tempo spielen und aggressiv verteidigen. Die schwierigste Aufgabe für mich wird sein, die Minuten gut zu verteilen. Auf den großen Positionen sind wir etwas dünn besetzt, haben aber in Avin Tepeli aus Hamburg einen Spieler dazugewonnen, der uns hier helfen kann. Womöglich stößt noch ein weiterer Big Man zu uns.

Zu den Leistungsträgern gehören in Abdul Wafa und Mika Siegert auch zwei Spieler, die zum Bundesliga-Kader des SYNTAINICS MBC zählen. Das zeigt doch die großartige Entwicklung des Programms.
Stackhouse: Auf alle Fälle. Es macht mich auch ein bisschen stolz, Abdul und Mika so lange auf ihrem Weg begleitet zu haben. Talente so auszubilden, dass sie die Chance haben, im Profibereich anzukommen, ist eines der großen Ziele der MBA. In Mohamed Ibrahim haben wir einen weiteren Spieler im Team, der aktuell in der Pro B bei den BSW Sixers starke Leistungen zeigt. Wenn die Jungs bei der MBA erleben, wie ihre aktuellen oder ehemaligen Mitspieler oben ankommen, dann gibt ihnen das noch einen Extraschub. Auch für die Außenwirkung der MBA sind solche Erfolgsgeschichten wichtig.
Alvaro, ihr habt in Jakob Spalke euren Go-to-guy der vergangenen Saison verloren. Wie wirkt sich das für euch aus?
Zuniga: Wir haben nicht mehr den einen Top-Spieler in unserem Team, sind aber ausgeglichener besetzt und kompakter geworden. Und wir haben vor allem im Jahrgang 2012 eine sehr gute Qualität. Felipe Felgner-Estrella und Richard Riedemann werden mit Sicherheit zu den wichtigsten Spielern zählen.
Stijn, kommt die Euphorie, die die deutschen Basketballerinnen mit dem Erreichen des WM-Halbfinals ausgelöst haben, auch bei euch an?
van Duijn: Meine Spielerinnen brennen ohnehin schon für Basketball, aber natürlich war die Heim-WM ein großes Thema, zumal die mediale Berichterstattung in Deutschland auf einem ganz anderen Level stattfand als bei früheren Turnieren. Der Erfolg des deutschen Teams hat den Frauen-Basketball auf jeden Fall stärker ins Rampenlicht gerückt. Kurzfristig werden wir das hier in der Region noch nicht spüren, aber auf lange Sicht sicherlich schon.
Was muss passieren, damit ihr am Ende der Saison zufrieden zurückblicken könnt?
Stackhouse: Wir wollen uns für die A-Division qualifizieren. Wenn es uns das gelingt, ist das ein schöner Beleg für unsere erfolgreiche Aufbauarbeit in den vergangenen drei Jahren. Wir haben uns als Programm einen Namen gemacht. Das merkt man auch daran, dass viele Spieler von außerhalb Interesse signalisieren, zur MBA zu wechseln.
Zuniga: Unser sportliches Ziel ist die A-Division, und wenn das nicht klappt, das Erreichen des Top-Four in der B-Division. Zufrieden bin ich auch, wenn wir eine gute Teamchemie entwickeln, eine gemeinsame Spielidee verfolgen und einfach den Basketball genießen können.
van Duijn: Wir wollen an die vergangene Saison anknüpfen, als wir mit viel Spirit und Spaß aufgetreten sind und unsere DNA hinterlassen haben.
Zum Abschluss einige persönliche Fragen: Wer von euch ist der beste Basketballer?
Zuniga: Darauf kann es nur eine Antwort geben: Darren.
Stackhouse: Stijn hat einen guten Dreipunktewurf mit links, und bei Alvaro gefällt mir das Ballhandling. Aber als ehemaliger Profi würde ich dann doch mich selbst nennen.
van Duijn: Darren – ohne jeden Zweifel.
Wer von euch kann am besten kochen?
van Duijn: Kann ich stattdessen auch meine Verlobte nennen? (lacht) Von uns dreien würde ich Alvaro auswählen, aber er muss das jetzt auch beweisen.
Stackhouse: Alvaro. Er kennt die spanische Küche mit ihren Gewürzen.
Zuniga: Ich war schon bei Darren und Stijn essen. Beide Male gab es Pizza. Alleine deshalb kann das nur ich sein.
Wer von euch hat den besten Musikgeschmack?
Stackhouse: Auch hier würde ich wieder Alvaro nennen mit seinem spanischen Flair.
van Duijn: Bei allem Respekt vor meinen Kollegen: Das kann nur ich sein. Ich liebe Musik und kann mit fast allen Genres etwas anfangen. Außerdem bin ich der Einzige von uns, der zu Hause mindestens 80 Schallplatten hat.
Zuniga: Ich höre viele Arten von Musik und habe mir auch schon Sachen von Stijn angehört. Ich habe aber den Vorteil, dass ich Musik in drei Sprachen hören kann. Deshalb: Ich.
Auftakt und Modus
In Gruppe zwei der ersten NBBL-Einteilungsrunde bekommt es die U19 der MBA zunächst mit einem neuen Gegner zu tun. Am Sonntag um 13 Uhr ist das Team von Trainer Darren Stackhouse bei den Berlin Dreams zu Gast. Die weiteren Gegner sind die Niners Chemnitz Academy und Dresden Titans. Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich für die zweite Phase der Einteilungsrunde und halten damit die Chance auf ein Erreichen der A-Division am Leben. Die Teams auf den Plätzen drei und vier spielen in der B-Division.
Mit einem Heimspiel eröffnet hingegen die U16 die JBBL-Saison. Das Team von Trainer Alvaro Zuniga empfängt am Sonntag um 13 Uhr in der Sporthalle der Quartiersschule Ihmelsstraße in Leipzig die Dresden Titans. Außerdem trifft die MBA in Gruppe drei der ersten Einteilungsrunde auf die Niners Chemnitz Academy und Science City Jena. Wie in der NBBL gilt auch hier: Die beiden besten Teams lösen das Ticket für die zweite Einteilungsrunde, die Dritt- und Viertplatzierten rutschen in die B-Division.
Die weibliche U18 startet am Sonntag (12.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel bei den Girls Baskets Braunschweig-Wolfenbüttel in die neue WNBL-Spielzeit. Die Vorrundengruppe zwei besteht diesmal aus sieben Teams. Die ChemCats Chemnitz und SG Bernau-Berlin-Nord sind neu hinzugekommen, der SC Rist Wedel wechselte in Gruppe eins. Die drei besten Teams jeder Vorrundengruppe erreichen die Hauptrunde und somit bereits die Playoffs, für alle anderen geht es in der Relegation weiter. Hier qualifizieren sich die zwei besten Teams jeder Gruppe für die Playoffs. Der Rest kämpft in den Playdowns um den Klassenerhalt.
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